Bester Freund des Diabetikers

Wir sind in der wunderschönen Steiermark, genauer gesagt in Rohrbach am Steinberg. Auf mehr als 2,5 Hektar befindet sich in diesem Ort das Animal Training Center von Anna Oblasser und ihrem Team. Mehr als 70 Tiere leben hier und werden auch trainiert. Hunde- und Verhaltenstraining sowie Filmtiertraining stehen ebenso auf dem Programm wie Zootiertraining in Kooperation mit dem Tierpark Herberstein und die Zusammenarbeit mit Schulen, wo über Tierhaltung und Tierschutz gesprochenwird.

Doch seit kurzem hat ein neues Projekt die Idylle erobert, das Diabetiker-Warnhunde-Training. Ich frage Frau Oblasser, die selbst in Amerika eine Ausbildung zur Tiertrainerin absolviert hat, wie die Idee, Warnhunde für Diabetiker auszubilden, entstanden ist. Sie lacht und erzählt, dass das ein reiner Zufall gewesen ist. „Wir haben einen Wurf Labradore aufgenommen und uns überlegt, die Hunde zu Servicehunden auszubilden. Es stand dann zur Debatte, welche Ausbildungsrichtung wir einschlagen wollten. Sollten es Rollstuhlbegleit- oder Blindenhunde werden? Doch beides gab es in Österreich schon.“ Eine zufällig eintreffende Anfrage nach einem Diabetiker- Warnhund gab schließlich den Ausschlag. Frau Oblasser flog nach Amerika, wo es solche Ausbildungen bereits gibt und holte sich dort die nötigen Informationen. Zurück zu Hause stand der Entschluss fest: Die Ausbildung ist neu, hundgerecht und es gibt zahlreichen Bedarf – das neue Projekt „Diabetiker-Warnhund“ war geboren.

Die Ausbildung selbst beginnt für die Hunde schon im Alter von 6 Wochen. Sie besuchen Altersheime und Kindergärten um entsprechend sozialisiert zu werden. Mit 3 Monaten kommen sie dann zu Gastfamilien, bei denen sie in einem normalen Familienumfeld aufwachsen und alles lernen, was sie später als Diabetiker-Warnhund können müssen. Doch nicht jeder Hund eignet sich zum Diabetiker-Warnhund. Daher werden die Hunde nicht nur intensiven Gesundheitschecks unterzogen und
kastriert, sondern müssen auch zahlreiche charakterliche Prüfungen bestehen. Denn nur ein gut sozialisierter Hund, der auch charakterstark ist, kann ein guter
Partnerhund werden. Hunde, die nicht alle Prüfungen bestehen, werden aus dem Programm ausgeschlossen und verbleiben meist als „normaler“ Familienhund bei
ihren ehemaligen Gastfamilien. Grundsätzlich ist es aber auch möglich, den eigenen Hund zum Diabetiker-Warnhund ausbilden zu lassen, wenn er die Basisvoraussetzungen erfüllt, also ein sozialisierter und nicht zu alter Hund ist. Optimal geeignet sind laut Anna Oblasser „süße Mischlinge, mittelgroß, charakterstark, arbeitswillig und gut sozialisiert“.

„Was kann ein Diabetiker-Warnhund eigentlich?“, frage ich Frau Oblasser. „Die Aufgabe des Warnhundes ist das Erkennen von Hypo-, aber auch von Hyperglykämien. Der Hund erriecht die Veränderung des Zuckerspiegels und weist den Besitzer durch ein trainiertes Zeichen darauf hin, dass er seinen Zuckerspiegel messen sollte.“ Besonders wichtig ist diese Fähigkeit des Hundes beim Erkennen von nächtlichen Hypoglykämien. Und genau darin liegt die größte Herausforderung für den Diabetiker-Warnhund: Er muss Tag und Nacht einsatzbereit sein.

Was ich natürlich auch noch wissen will ist, wie die Ausbildung des Hundes abläuft. Anna Oblasser erklärt: „Die Ausbildung ähnelt jener zum Drogenspürhund. Es wird mit T-Shirts in Kübeln trainiert, die von einem Menschen mit Hypo-, Hyperoder Normoglykämie getragen wurden. Der Hund muss aus einer ganzen Reihe von Kübeln denjenigen heraus riechen, der nicht nach einem normalen Zuckerspiegel riecht. Und es wird natürlich viel belohnt.“ Damit der Hund nicht vergisst was er gelernt hat, ist es wichtig, dass die neuen Besitzer auch nach Beendigung der Ausbildung regelmäßig weiter mit dem Hund Ratgeber trainieren. Wie das geht, erfahren Sie ebenfalls im Animal Training Center.
Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Denn natürlich hat so ein ausgebildeter Hund – wie alle Partnerhunde – seinen Preis. Der liegt, um genau zu sein, bei 20.000 Euro. Da ist es natürlich klar, dass fast alle zukünftigen Besitzer auf der Suche nach Sponsoren für ihren Hund sind. Einer dieser neuen Besitzer, um nicht zu sagen der erste, ist Sebastian Steinscherer (9 Jahre). Als Sebastian nach vielen falschen Diagnosen vor etwas mehr als 2 Jahren endlich die Diagnose Diabetes Typ 1 erhielt, war die Familie auf der einen Seite erleichtert, endlich Klarheit zu haben. Auf der anderen Seite war der Schock natürlich riesengroß. Soviel würde sich am Leben des kleinen Jungen jetzt ändern. Die Eltern haben alles daran gesetzt, ihrem Sohn den Umgang mit der Krankheit so einfach wie möglich zu gestalten. Und sie haben nicht aufgehört, nach immer neuen Möglichkeiten zu suchen. So sind sie im Ausland auf Diabetiker-Warnhunde gestoßen. Aufgrund der Nachbarschaft zu Anna Oblasser haben sie an das Animal Training Center die Anfrage nach einem solchen Hund gestellt und das Schicksal hat den Wurf Labradore, Anna Oblasser und Sebastian und
seine Familie zusammengeführt. Seit einiger Zeit hat Sebastian nun eine neue Freundin. Sie heißt Nayeli und ist einer der Hunde aus dem Wurf von Anna Oblasser. Im Moment ist Nayeli noch in Ausbildung. Doch bereits jetzt ist sie für Sebastian eine große Unterstützung. Denn sie ist nicht nur ein Warnhund, sie ist vor allem auch ein Begleiter und ein Freund für ihn.

Diabetiker-Warnhunde sind ausgebildete Assistenzhunde. Sie werden in der Regel 18 bis 24 Monate ausgebildet, halten die Standards ebenso wie zum Beispiel ein Assistenzhund, der einen Rollstuhlfahrer begleitet und haben alle Rechte eines Assistenzhundes.
Sie haben noch Fragen zum Thema Diabetiker-Warnhund? Sie haben selbst Interesse an einem solchen Hund oder wollen Ihren eigenen Hund ausbilden lassen?
Weiterführende Informationen zum Thema Diabetiker-Warnhund
Opens external link in new windowwww.animaltrainingcenter.at
in Deutschland finden Sie unter anderem unter:
Opens external link in new windowwww.assistenzhunde-zentrum.de
Opens external link in new windowwww.vistadogs.de

Bericht von Karin Reitz (Produktmanagerin Diabetes, A. Menarini Diagnostics)