Darmpflege bei Diabetes besonders wichtig

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Der Darm ist eines unserer größten und wichtigsten Organe. Durch intensive Forschung haben wir in den letzten Jahren eine Ahnung davon bekommen, wie komplex und umfassend sein Einfluss auf unseren ganzen Körper ist. Im Darm findet nicht nur die Verdauung, die Nährstoffaufnahme durch die Darmwand ins Blut und die Stuhlgang-Herstellung statt, hier sitzt auch ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Darüber hinaus wird im Darm der Wasserhaushalt unseres Körpers reguliert und Hormone und Enzyme werden gebildet.

Gerade Menschen mit Diabetes müssen ihren Darm pflegen, denn von den Nervenveränderungen, die im Rahmen einer längeren Diabetesdauer entstehen können, ist auch er betroffen. Diese „autonome Neuropathie“, eine Schädigung des vegetativen Nervensystems, kann an verschiedensten Organen auftreten: an Herz, Harnwegen, Geschlechtsorganen und eben auch am Darm. Meist sind nicht alle genannten Organe betroffen und Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 30 Prozent der Diabetiker unter der autonomen Neuropathie leiden. Die Symptome treten zuerst vereinzelt auf und häufen sich mit der Zeit. Oft sprechen die Betroffenen nicht mit ihrem Internisten darüber, da sie den Zusammenhang zum Diabetes nicht herstellen.

Wie äußert sich die autonome Neuropathie im Verdauungstrakt und was können Sie tun?

Im Mund kann sie sich als Mundtrockenheit, die nicht verschwindet, obwohl ausreichend getrunken wird, bemerkbar machen. Trinken Sie immer wieder schluckweise über den ganzen Tag verteilt, nehmen Sie Getränke mit, wenn Sie außer Haus oder zur Arbeit gehen. Im Sommer können auch Eiswürfel gelutscht werden.
Ist die Speiseröhre betroffen, können Schluckbeschwerden auftreten. Diese äußern sich in der Schwierigkeit „einen Bissen hinunterzubekommen“ oder in häufigem Verschlucken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt – es sollte eine Abklärung durch einen Logopäden stattfinden. Dieser kann Ihnen dabei behilflich sein, die Schluckstörung zu diagnostizieren und die Konsistenz der am besten schluckbaren Nahrung festzustellen. Ein Diätologe kann Sie und Ihre Angehörigen anschließend in der Zubereitung des Essens schulen. Das Mischen verschiedener Konsistenzen in einer Mahlzeit (z.B. festes Fleisch mit flüssiger Sauce) bereitet oft die meisten Probleme.

Völlegefühl trotz kleiner Essensmenge, Übelkeit, Appetitverlust, ev. Erbrechen nach der Mahlzeit, Magenschmerzen und Unterzuckerungen kurz nach einer Mahlzeit können Zeichen für eine verzögerte Magenentleerung im Rahmen einer autonomen Neuropathie sein. Essen Sie dann kleine Mahlzeiten und dafür mehrere am Tag. Kauen Sie gut und trinken Sie zu den Mahlzeiten nur kleinere Mengen. darm blutzuckermessgeraetBevorzugen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Salat und Obst) und essen Sie zuckerhaltige Speisen nur in kleinen Mengen. Es kann auch eine Anpassung Ihrer Diabeteseinstellung nötig sein, damit Unterzuckerungen vermindert werden.

Sind Speiseröhre und Magen von der Nervenstörung betroffen, tritt häufig Sodbrennen auf: Bleiben Sie nach dem Essen in aufrechter Position und legen Sie sich nicht hin, essen Sie kleinere Mahlzeiten und davon mehrere über den Tag verteilt. Vermeiden Sie alles was den Tonus (= Spannungszustand) des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen verringern kann: Alkohol, Nikotin, Tee, Kaffee, Kakao, alle stark fetthaltigen und frittierten Speisen, Schokolade und alle fetten Süßigkeiten sowie zuckerreiche Getränke (Fruchtsäfte!).

Altbewährte Hausmittel helfen

Im Dünn- und Dickdarm können Durchfall oder Verstopfung, oft auch wechselweise, auftreten. Achten Sie dann auf eine ausreichende Trinkmenge, die bei Durchfall den Flüssigkeitsverlust ausgleicht und bei Verstopfung den Stuhlgang weicher macht. Essen Sie bei Verstopfung ballaststoffreich und machen Sie regelmäßig Bewegung, damit Ihr Darm angeregt wird. Konzentrate aus löslichen Ballaststoffen können bei beiden Problematiken stuhlregulierend wirken.

Und auch „Hausmittel“ wie lauwarmes Wasser morgens schluckweise auf nüchternen Magen getrunken, Naturjogurt und eingeweichte Dörrpflaumen bei Verstopfung sowie Bananen, Karottensuppe und lange gezogener Schwarztee bei Durchfall haben absolut ihre Wirkung.

Mit diesen Maßnahmen können Sie die Symptome der Neuropathie mildern und Ihre Lebensqualität erhalten. Leider kann die Schädigung nicht komplett rückgängig gemacht werden. Durch Erreichen guter Blutzuckerwerte, ausreichend Bewegung, Verminderung von Alkoholkonsum sowie Rauchen und den Einsatz bestimmter Medikamente können sich die Symptome allerdings mit der Zeit bessern.

All dies sind nur allgemeine Informationen. Holen Sie sich Antworten auf Ihre Fragen und Unterstützung bei Ihrem Arzt, Diätologen und Diabetesberater.

 

Quelle:

EssErlebnis
Ernährungstherapie & Diätologie

Sonja Holzknecht
Diätologin
Essverhaltenstrainerin
Pädagogin, BEd

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